Aktienempfehlungen hinterfragen

Veröffentlicht am 17. September 2013
Von Andreas Hackethal

Fast alle Banken halten selbst Wertpapiere. Zumeist als Puffer, wenn Bares benötigt wird. Einige Institute halten Aktien aber auch, weil sie Börsengänge begleitet haben oder weil sie als Zwischenhändler auf den Kapitalmärkten agieren. Zusammen mit Falko Fecht und Can Karabulut haben wir Daten der Bundesbank aus den Jahren 2005-2009 ausgewertet, aus denen für jede einzelne Bank in Deutschland genau hervorgeht, welche Aktien sie selbst hält und welche Aktien ihre Privatkunden halten. Wir fanden heraus, dass bestimmte Aktien in Einzelfällen dann verstärkt in Kundendepots auftauchten, wenn die Bank ihren eigenen Bestand abbaute. Leider entwickelten sich jene Aktien nach der Umschichtung im Schnitt schlechter als andere Aktien. Jedoch war die mittlere Renditedifferenz recht klein, so dass sich die möglichen Nachteile für die Kunden in engen Grenzen halten dürften. Vielleicht haben wir bei unseren Analysen auch etwas übersehen, aber wir deuten diese Muster bisher wie folgt: Wenn Banken bestimmte Aktien verkaufen wollen, kann dies über die Börse durchaus teuer werden. Die Aktien alternativ an die Kunden zu verkaufen, käme vielleicht günstiger, ohne dass die Anleger direkt beim Kauf einen Nachteil erleiden. Ich sollte hinzufügen, dass ich aus Gesprächen und gemeinsamen Forschungsprojekten mit mehreren Banken den Eindruck bekommen habe, dass über die letzten Jahren ein Umdenken und auch Umsteuern in den Instituten stattfindet. Die sichtbar zunehmende Orientierung am Kundennutzen lässt vermuten, dass die bis 2009 gemessenen Umschichtungen der Vergangenheit angehören. Wer als Anleger jedoch auf Nummer sicher gehen will, sollte entweder bei Aktienempfehlungen eindringlich nach dem Warum fragen oder besser gleich auf bessere Streuung und damit günstige Fonds setzen.

[donotemail] Quelle: http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=1783679 [/donotemail]

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