Anleger werden aus Fehlern scheinbar nicht schlau

Veröffentlicht am 12. November 2013
Von Andreas Hackethal

Ein Grund für diesen Blog war die Erkenntnis, dass viele Sparer durch unnötige Anlagefehler viel Geld auf der Straße liegen lagen. Eine Volksweisheit besagt, dass man aus Fehlern schlau wird. Eine andere, dass man durchaus Fehler machen dürfe, aber denselben Fehler eben nur einmal. Warum begehen viele Anleger aber dieselben Fehler immer wieder, Jahr für Jahr? Die naheliegende Antwort ist, dass die Anleger ihre Fehler und erst Recht deren Kosten überhaupt nicht wahrnehmen und daher auch nicht daraus lernen können. Um die Initiative zu ergreifen, müssten Anleger das Ergebnis ihrer vergangenen Entscheidungen kennen und vor allem einordnen können. Das heißt, die Anleger müssten wissen, wie viel Zinsen sie auf wie viel Risiko verdient haben und müssten dies mit den Ergebnissen anderen Anleger vergleich können. Einen solchen Vergleichsmaßstab für individuelle Anleger gibt es leider noch nicht. In der Zeitung finden sich zwar die Zinsen auf Dax & Co. Aber das Risiko der Indizes stimmt nur zufällig mit dem Gesamtrisiko des Sparers überein.  Voraussetzung fürs Vergleichen ist jedoch, dass der Anleger seine eigenen Zahlen kennt. Wie wir im Auftrag der Stiftung Warentest jedoch im Sommer dieses Jahres herausgefunden haben (siehe Heft Finanztest 7/2013), werden die Zahlen jedoch von keiner Bank in Deutschland an die Kunden gegeben. In einer spannenden Studie kommen daher Markus Glaser von der Universität München und Martin Weber von der Universität Mannheim zu dem wenig überraschenden, aber wirklich kritischen Ergebnis, dass die befragten Anleger nicht sagen konnten, wie riskant und wie hoch verzinst sie mit Ihrem Depot unterwegs waren. Wenn Anleger jedoch quasi im Blindflug unterwegs sind, wie sollen Sie dann aus Fehlern lernen? Tatsächlich weisen wir in einer eigenen Studie (zusammen mit Steffen Meyer und Maximilian Köstner) nach, dass Erfahrung nur dann zur Lernerfahrung wird, wenn den Anlegern die Folgen früherer Entscheidungen vor Augen geführt werden. Wir haben rund 20.000 Kunden eines Online-Brokers über acht Jahre beobachtet. In dieser Zeit hat jeder dieser Kunden im Schnitt 300mal gehandelt und damit sicher ordentlich Trading-Erfahrung gesammelt. Haben die Anleger im Verlauf der Jahre aber auch Fehler wie mangelnde Risikostreuung oder schlechtes Timing abgestellt? Nein! Einzig die Handelsaktivität hat etwas abgenommen. Unsere Deutung: Während Rendite und Risiko für die Anleger im Dunkeln blieben und damit keine Lernchance bestand, konnten die Anleger die Transaktionskosten beobachten und haben im Verlauf der Jahre offenbar den Schluss gezogen, dass sie an der Stelle einfach Geld sparen können. Was folgt aus den Ergebnissen? Meiner Meinung nach sollten Anleger von ihrer Bank zumindest einmal pro Jahr einfach verständliche und vor allem über Banken hinweg vergleichbare Informationen erhalten, was bei der Anlage über das letzte Jahre in punkto Rendite (nach allen Kosten) und Risiko (Standardskala) herausgekommen ist. Aus dem Vergleich dieser beiden Zahlen zwischen Anlegern – einen solchen Service würden die Medien sicher gerne übernehmen – ließe sich für jeden Einzelnen viel lernen. Auch Berater könnten so am Jahresende demonstrieren, dass ihre Empfehlungen insbesondere was das Risiko anbelangt, die Beratungskosten wert waren. Schon in unserem Gutachten von 2011 für das Berliner Verbraucherschutzministerium haben wir einen solchen Rendite/Risikobericht für alle Anbieter gefordert. Im Interesse aller lernwilligen Sparer steht zu hoffen, dass einige kundenorientierte Anbieter hier bald in die Offensive gehen.

Quellen: Why Inexperienced Investors do not Learn: They do not Know Their Past Portfolio Performance by Markus Glaser & Martin Weber (2007), Do Individual Investors Learn from Their Mistakes? by Steffen Meyer, Maximilian Koestner, Andreas Hackethal (2012)

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