Finanztransaktionssteuern wirken doppelt auf die Kosten der Anleger

Veröffentlicht am 30. Januar 2014
Von Peter Gomber

Es ist ein Dauerbrenner in der öffentlichen Diskussion und hat mit dem gerade vorgestellten Koalitionsvertrag der Großen Koalition nochmal an Bedeutung gewonnen: Das Thema Finanztransaktionssteuer. Nachdem eine globale oder zumindest europaweite Einführung dieser Steuer auf Finanztransaktionen gescheitert ist, haben sich 11 EU-Mitgliedstaaten (u. a. Deutschland) auf eine Einführung dieser Steuer im Rahmen der „verstärkten Zusammenarbeit“ geeinigt. Ziel der Steuer ist es, die Finanzindustrie an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen und spekulativen Handel einzudämmen um damit die Marktvolatilität (also das Ausmaß der Kursauschläge) zu dämpfen. Kann dies funktionieren und welche Auswirkungen hat die Einführung einer solchen Steuer auf die Investoren? Wir haben zur Beurteilung dieser Frage den nationalen Alleingang in Frankreich analysiert, dies stellt ein natürliches Experiment für die Effekte einer Steuereinführung da. Dort hat man bereits im August 2012 eine Steuer auf Aktienkäufe mit einem Steuersatz von 0,2 Prozent eingeführt. Die von uns gemessenen Effekte dieser Maßnahme zeigen, dass die Marktvolatilität in Frankreich hierdurch nicht gesenkt werden konnte und es dort erhebliche Rückgänge in den Handelsvolumina gab. Darüber hinaus haben sich über erhöhte Geld-Briefspannen (also schlechtere Preise im Handel) die Transaktionskosten für die Anleger erhöht. Damit zahlt der Anleger doppelt: Einmal direkt für die Steuer selbst und zum zweiten über höhere Transaktionskosten auf dem Markt. Diese gestiegenen Transaktionskosten führen ganz nebenbei auch noch zu erhöhten Finanzierungskosten für die Emittenten der Wertpapiere. Wir zahlen also doppelt und sicherer, also weniger volatil, wird der Markt auch nicht – sollten wir das wirklich wagen?

Prof. Dr. Peter Gomber leitet seit Dezember 2004 die Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere e-Finance am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Frankfurt. Außerdem ist er Co-Chair und Mitglied des Vorstands des E-Finance Lab, einer Kooperation der Universitäten Frankfurt und Darmstadt sowie eines Netzwerks von Industriepartnern aus der Finanzwirtschaft.

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