DEUTSCHLAND LERNT SPAREN


Die Situation: Die meisten Sparer scheuen den Kapitalmarkt und nehmen Niedrigzinsen hin. Die wenigen anderen machen bei der Wertpapieranlage kostspielige Fehler und bleiben ebenfalls weit hinter den Möglichkeiten. Die Idee: Einfache Rezepte für Jedermann, um eigene finanzielle Ziele schneller zu erreichen.

Gastbeiträge

Verkaufen! Aber was?

Veröffentlicht am 17. Oktober 2013
Von Joachim Weber

Viele Privatanleger halten mehr als ein Wertpapier in ihrem Depot. Das ist auch gut so, denn so können sie ihr Risiko verringern und ihre Ertragschancen verbessern. Aber wie entscheidet man, welches Wertpapier man verkauft, wenn man wieder an Teile des investierten Geldes herankommen möchte (z.B. um ein neues Auto zu kaufen)? Das haben Benjamin Loos, Steffen Meyer, Andreas Hackethal und ich mithilfe von Bankdaten analysiert. Die Anleger in unserem Datensatz neigen dazu, Verkaufsentscheidungen zu vereinfachen, wenn sie das Geld anderweitig benötigen. Sie verkaufen eher Fonds mit geringeren Ausgabeaufschlägen, Aktien, die in letzter Zeit Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben (z.B. weil das Unternehmen in der Presse war) und generell eher Wertpapiere, mit denen sie einen Gewinn gemacht haben. Das ist aber häufig schlecht für Ihre Ersparnisse. Meistens erzielt man nämlich in der Zukunft bessere Ergebnisse mit Fonds, die geringe Ausgabeaufschläge haben, mit Aktien, die weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und mit Wertpapieren, die auch in der Vergangenheit gut gelaufen sind. Was kann man also tun wenn man plötzlich Geld braucht? Einerseits ist das eine gute Gelegenheit, im Depot aufzuräumen und Verlustbringer loszuwerden (das generiert schließlich auch Steuervorteile). Andererseits sollte man sein Depot auch vorsorglich so strukturieren, dass dieses Entscheidungsproblem gar nicht erst auftritt. Wenn man z.B. über einen Sparplan in eine geringe Anzahl kostengünstige Fonds investiert, kann man die Anteile nicht nur meist ohne Transaktionsgebühren und Ausgabeaufschlag kaufen sondern auch schnell und billig loswerden bzw. wiederbeschaffen, wenn man wieder Geld zum Anlegen zur Hand hat.

Joachim Weber ist Doktorand der House of Finance-Stiftungsprofessur für Personal Finance – gefördert durch die DZ BANK-Stiftung.

Quelle: Individual Investors‘ Trading Motives and Security Selling Behavior by Joachim Weber, Benjamin Loos, Steffen Meyer, Andreas Hackethal (2013).

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Macht Geld wirklich glücklich?

Veröffentlicht am 2. Oktober 2013
Von Rolf van Dick

Beim Sparen geht es ums Geld. Deshalb darf die klassische Frage auch hier gefragt werden: Bedeutet mehr Geld automatisch mehr Glück oder ist mehr Vermögen gar belastend? Es gibt eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien zu dieser Frage. Klarer Konsens ist, dass zu wenig Geld fast immer als Unglück empfunden wird. In den USA steigt die Lebenszufriedenheit fast wie mit dem Lineal gezogen mit dem Gehalt an. Bei rund 40.000 Dollar pro Jahr ist jedoch für die meisten Menschen Schluss. Mehr Geld bringt kaum noch mehr Zufriedenheit. Viel wichtiger wirken dann soziale Kontakte und die Kontrolle über das eigene Leben. Auch sehr reiche, glückliche Menschen nennen nicht den materiellen Reichtum als Quell Ihres Glücks, sondern ihre Mitmenschen und das Gefühl, Wertvolles zu tun. In Deutschland und sogar auch an deutschen Universitäten gilt im Großen und Ganzen dasselbe. Wir haben 800 Mitarbeiter der Goethe Universität befragt. Zwischenmenschliche Faktoren wie Lob für die Arbeit und Zufriedenheit mit dem Chef oder der Chefin sind weit wichtiger als das Gehalt. Was lässt sich hieraus fürs Sparen ableiten? Ziel sollte immer sein, finanzielle Engpässe insbesondere im Alter zu vermeiden und damit früh mit dem Sparen anzufangen. Einmal auf dem richtigen Weg, sollte man sich jedoch nicht zu sehr an das Vermögen klammern, sondern vielmehr überlegen, wie man das Geld im Sinne seiner Freunde, Familie und Mitmenschen nutzen kann.[donotemail]

Rolf van Dick ist Professor für Sozialpsychologie und Direktor des Center for Leadership and Behavior in Organizations an der Goethe Universität

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