Höhere Rendite durch bessere Finanzbildung

Veröffentlicht am 10. Dezember 2013
Von Roman Inderst

In der aktuellen akademischen Literatur gibt es eine Reihe von Beiträgen, die sich mit dem Thema Finanzbildung (“financial literacy”) auseinandersetzen, daher der Befähigung von Privatpersonen und privaten Haushalten, selbständig und möglichst ohne gravierende Fehler Finanzentscheidungen treffen zu können. Dieses Thema ist in der Tat wichtig, da die private Altersvorsorge zunehmend für immer größere Teile der Bevölkerung relevant wenn nicht sogar zwingend wird.
Bislang lag der Schwerpunkt dieser Forschung aber auf der Frage, ob es sich private Haushalte zutrauen, in Aktien oder Fonds zu investieren, bzw. welche möglichen Fehler sie dabei machen (z.B. mangelnde Diversifizierung). Solche Anlageformen werden allerdings von der Mehrzahl der Haushalte, die über Finanzvermögen verfügen, gar nicht gewählt. Und selbst dann stellen sie nur einen kleinen Teil des Finanzvermögens dar. Ein weit größerer Teil des Finanzvermögens liegt in Einlagen, inklusive Tages- und Festgeld. Wie sieht es hier mit der Rolle von Finanzbildung aus? Können Haushalte, die bei entsprechenden Fragen besser abschneiden, selbst bei dieser zunächst recht einfachen Anlageklasse eine bessere Rendite herausholen?
In einem Team mit zwei Mitarbeitern (Florian Deuflhard und Dimitris Georgarkos) sind wir dieser Frage nachgegangen, allerdings nicht für Deutschland sondern für die Niederlande. Dies lag an einer denkbar günstigen Konstellation, insbesondere da wir über die ING-DiBa Kontakte erhielten, mittels der wir einen vollständigen Überblick über die Zinsen verschiedenster Sparprodukte im Markt erhielten – und das für die letzten zehn Jahre. Nachdem wir dies mit sehr detaillierten Umfragedaten verknüpft hatten, fanden wir das folgende Ergebnisse: Erstaunlicherweise hat Finanzbildung selbst hier einen deutlichen Einfluss auf die erzielte Rendite. Bei einer genaueren Betrachtung des Marktes ist dies allerdings nicht mehr verwunderlich. Selbst für die gleichen Sparprodukte werden sehr unterschiedliche Zinsen angeboten. Und diese Produkte sind selbst auch nicht so simpel und transparent wie zunächst vermutet. Verschiedene Einlagenkonten zahlen höhere Zinsen erst ab unterschiedlichen Schwellen und sind mit unterschiedlichen Auflagen und Beschränkungen verbunden, so etwa gebührenpflichtiges Abheben. Dies alles erschwert den Vergleich. Besser finanzgebildete Haushalte trauen sich einen solchen Vergleich offensichtlich eher zu und verschaffen sich zudem einen Überblick über den Markt, um dann das für sie geeignete Angebot auszuwählen. Eine Wahlmöglichkeit sticht hierbei vor allem hervor: Internetbasierte/Online Konten. Zumindest über den betrachteten Zeitraum erzielten diese einen erheblich höheren Ertrag, selbst bei der gleichen Bank, die oft damit zwischen wechselwilligen und besser informierten Kunden auf der einen Seite und der Masse der anderen Kunden auf der anderen Seite differenzierte.
Für die bereits finanzinteressierten Leser dieses Blogs mag dies wenig interessant sein, da sie vielleicht bereits regelmäßig Angebote etwa bei Tages- und Festgeld vergleichen und bereit sind, ihre Einlagen zu anderen Anbietern zu verschieben (eingedenk der Unterschiede nicht nur im Zinssatz). Und da die Marktverhältnisse hier anders sind als in den Niederlanden, muss die genaue Höhe der zusätzlich erzielten Rendite von Haushalten mit besserer Finanzbildung gar nicht interessieren. Für Politik und Gesellschaft stellt sich aber die Frage, wie Haushalte mit geringerer Finanzbildung dabei unterstützt werden können, aktiver die Angebote zu vergleichen und zu nutzen – mit dem positiven Nebeneffekt eines stärkeren Wettbewerbs unter den Anbietern.

Professor Dr. Roman Inderst ist ein renommierter deutscher Ökonom. Er leitet den Lehrstuhl für Finanzen und Ökonomie am House of Finance der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main und ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirats des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

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