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Lesen Sie hier die Leserfragen, die ich bereits beantwortet habe.

Fragen aus dem FAZ Live Chat

                                                 Andreas Hackethal                                                  

Im Live-Chat der Frankfurter Allgemeinen Zeitung haben mir Nutzer eine Stunde lang Fragen zum Thema „Geld anlegen“ gestellt und meine Finger beim Tippen der Antworten zum Glühen gebracht. Hier die bisherigen 25 Fragen und Antworten aus dem Chat. Falls Sie selbst eine Frage oder einen Kommentar beisteuern wollen, können Sie die Frage einfach an prof-hackethal(at)t-online.de senden.

Patrick Bernau/faz.net

Frage: Muss man sein Geld in Sicherheit bringen und wenn ja, – wo??

Antwort: Wie im Leben gibt es auch bei der Geldanlage keine volle Sicherheit. Für den realen Vermögenserhalt müssen Sie sogar Risiken eingehen. Aber natürlich nur solche, für die Sie auch eine Risikoprämie erhalten. Also breit über möglichst viele Anlageklassen streuen und immer auf die Kosten achten. Auch ein konservatives Portfolio sollte daher neben Tagesgeld zumindest einen kleinen Aktienteil und einen kleinen Immobilienteil haben.

Frage: Hallo, lohnt sich eine Überzahlung eines Riestervertrags, mit (anstatt 2100 Euro pro Jahr) ca. 4000 Euro, z.B. bei einer Fondsgebundenen Riesterversicherung. Annahme: Geburtsdatum 1980, Abschlussdatum Riester 2013, Einzahlung bis 2047, die mit ca. 4 % Gewinn wirtschaftet? Oder sollte das Geld lieber auf ein mickrig verzinstes Tagesgeldkonto mit etwa 1,6 % deponiert werden? Ich habe gehört, dass die Überzahlung bei Riestervers. den Vorteil bringt, dass man später weniger Steuern bezahlt, als wenn man später – bei Renteneintritt – den Zins bei normalen Bankanlagen mit hoher Abgeltungssteuer verzinsen muss. Freundliche Grüße

Antwort: Das hängt vom Vergleichsmaßstab und vom konkreten Riesterprodukt ab. Zunächst zum Vergleich: Bei mehr als 30 Jahren Anlagehorizont ist Tagesgeld keine gute Lösung. Etwas mehr Risiko und damit auch deutlich mehr erwartete Nachsteuerrendite als die 1,6% sollten es da schon sein. Zudem müssen Sie die Gesamtkosten des Riesterproduktes berücksichtigen. Es kann leicht passieren, dass der vermeintliche Steuervorteil durch den Kostennachteil aufgefressen wird. Schließlich kommen sie erst mit 60 Jahren wieder ran an Ihr Geld. Flexibilität hat für viele Anleger auch einen hohen Preis.

Frage: Hallo Herr Professor Hackethal, was empfehlen sie mir, wie ich 50TEuro am sinnvollsten Anlege? Ich würde gerne in eine Immobilie investieren, dafür ist der Betrag hier im Rhein-Main Gebiet zu niedrig. Was empfehlen Sie mir?

Antwort: Wenn Sie das Geld für ein paar Jahre anlegen können, anderweitig liquide sind und die 50.000 am Ende nicht fest verplant haben, empfehle ich Ihnen eine Mischung aus Immobilienfonds und einem breit gestreuten internationalen Aktienfonds (zB ETF auf den MSCI World). – Andreas Hackethal

Nachfrage: Wie hoch ist bei diesen Aktienfonds denn die Sicherheit??

Antwort: Fonds haben die selben Risiken wie Aktien, aber es gibt einen Vorteil durch die Diversifikation, weil sich die Kursschwankungen unterschiedlicher Aktien ausgleichen.

Frage: Welche Portfolio-Zusammensetzung empfehlen Sie, insbes. welche Aktienquote?

Antwort: Die Aktienquote sollte umso höher sein, je mehr Risiko Sie nehmen können. Genauer erzähle ich das in den nächsten Videos unseres kleinen Kurses, morgen geht es mit diesen Themen los.

Frage: Was sind die Ihrer Meinung nach wichtigsten Auswahlkriterien für den Kauf von ETFs?

Antwort: Auch beim Kauf von ETFs gelten die allgemeinen Grundregeln: Möglichst breit streuen und möglichst günstig. Konkret heißt das: Besser CDAX als DAX, besser EUROSTOXX600 als EUROSTOXX50. Die laufenden Gebühren liegen meist nicht weit auseinander. Ein Blick auf die sogenannte Total Expense Ratio kann aber trotzdem 0,1%-0,3% sparen. Weitere Details wie synthetische Abbildung kann ich hier nicht diskutieren.

Frage: Lieber Herr Prof. Hackethal, welchen Stellenwert messen Sie Aktien bei im Vergleich zu anderen Anlageformen wie z.B. Rohstoffen, Anleihen, festverzinslichen Wertpapieren?

Antwort: Aktien gehören in jedes Depot, mit dem Anleger Risikoprämien verdienen wollen. Aktien verbriefen Eigentum an Unternehmen und erlauben damit Teilhabe am Produktivkapital. Das schützt auch gegen Inflation. Das ist z.B. bei Rohstoffen nicht so klar, weil die nicht selbst produktiv sind.

Frage: Herr Professor, welche Strategie empfehlen Sie einem 30-jährigem Anleger, der 100.000 Euro zwischeninvestieren möchte, um in 3-5 Jahren ein Wohneigentum zu erwerben? Herzlichen Dank!

Antwort: Das hängt von zwei Dingen ab: a) wie flexibel Sie bei Zeitpunkt und Kaufpreis der Immobilie sind – und b) ob Sie weiteres Vermögen haben. Wenn Sie in drei Jahren fest mit mindestens 100T Euro planen, bleibt Ihnen aktuell nicht viel mehr als Festgeld zu 2%. Wenn Sie flexibler hinsichtlich Kaufzeitpunkt und Eigenkapitalanteil sind, sollten Sie eine höhere Verzinsung anstreben, indem Sie Risikoprämien verdienen und zumindest einen Teil des Geldes in günstige Aktienfonds legen. – Andreas Hackethal

Frage: Ich würde gerne für meine Kinder 10 – 15 Jahr in ETFs international Geld anlegen, da ich hier hoffe im Schnitt auf 4-5 % Rendite zu kommen. Dazu würde ich gerne in Märkte/Regionen/Länder investieren, die gerade eher unterbewertet sind. Wie komme ich als nicht Profi an solche Informationen/Bewertungen ran?

Antwort: Ihr Grundansatz ist genau richtig. Gratulation! Vor dem Hintergrund aller mir bekannten Forschungsarbeiten rate ich Ihnen jedoch klar davon ab, den RICHTIGEN Zeitpunkt oder den RICHTIGEN Markt zu suchen. Denken Sie bitte daran, dass der Wettbewerb der Investoren auch um einen noch so kleinen Informationsvorsprung und damit um den RICHTIGEN Einstieg oder Ausstieg immens ist. Im Ergebnis decken die Kosten für die Informationssuche fast nie den Zusatznutzen. Für Privatanleger heißt das: Gar nicht erst versuchen, den richtigen Zeitpunkt oder den richtigen Markt zu erwischen und damit implizit besser sein zu wollen als professionelle Großinvestoren. Unsere eigenen Untersuchungen zeigen, dass das für die allermeisten Privatanleger sogar nach hinten losgeht. Sie sollten also bei Ihrem Grundansatz bleiben und mit ETFs eine breite Streuung über möglichst viele Märkte und Regionen erlangen und nicht auf einzelne Teilmärkte konzentrieren.

Frage: Woher erkenne ich beim Aktienhandel, wann der richtige Zeitpunkt zum Verkauf meiner Aktien gekommen ist?

Antwort: Wenn es hierfür eine generelle Regel gäbe, wer würde Ihre Aktien dann kaufen wollen? Der Wettbewerb an den Kapitalmärkten ist immens. Das heißt zwar einerseits, dass Sie dort nichts geschenkt bekommen. Das heißt aber auch andererseits, dass es im Vorhinein keinen falschen Zeitpunkt für Einstieg und Ausstieg gibt und damit im Nachhinein auch keinen wirklichen Grund für Anlegerstolz oder -frust. Eine individuelle Regel für den Ausstieg könnte darin bestehen, dass Sie Verluste beschränken wollen. Oder dass Sie in Geld oder Renten umschichten sollten, weil die Aktienmärkte so gut gelaufen sind, dass der Aktienanteil in Ihrem Vermögen höher als geplant geworden ist.

Frage: Index-Zertifikate, Aktien-Anleihen, Unternehmensanleihen, was ist von den 3 Möglichkeiten der Geldanlage die risikoärmste mit den höchsten Erträgen?

Antwort: Wenn alle drei Produkte fair bepreist wären, sollte das Verhältnis aus Risiko und Rendite (Risikoprämie) bei allen gleich groß sein. Soweit die Theorie. In der Realität werden sich die Kosten unterscheiden. Im Allgemeinen dürften diese bei Zertifikaten höher liegen als bei Einzeltiteln. Außerdem geht die Theorie davon aus, dass Sie Ihre Anlagerhausaufgaben hinsichtlich ordentlicher Diversifikation bereits erledigt haben. Falls dem nämlich nicht so ist, bergen Aktien-Anleihen und Unternehmensanleihen für Ihr Depot weit mehr spekulatives und damit renditeleeres Risiko als ein breiter Index. Ganz allgemein würde ich schätzen, dass der Risikoeffekt stärker wiegt und damit ein günstiges Indexprodukt vorzuziehen ist.

Fage: In einigen Tagen wird ein Festgeldbetrag von ca. 40.000 € frei, der bis dahin 5,65 % abgeworfen hat. Als Rentner mit keiner hohen Rente möchte ich keine Risiken eingehen. Gibt es Alternativen zur jetzigen kalten Enteignung?

Frage: Es gibt leider derzeit KEINE Alternative, die vom Profil Ihrem bisherigen Festgeld entspricht. Für das damalige Risiko erhalten Sie derzeit nur rund 2% vor Steuern. Und wenn Sie wie damals über 5% anstreben, müssten Sie mindestens mit der Hälfte des Geldes in die Aktienmärkte. Das will ich Ihnen ohne weitere Informationen natürlich nicht empfehlen. Ich möchte Ihnen jedoch sehr deutlich machen, dass ALLE Anlagemöglichkeiten, die mehr versprechen als einlagengesichertes Festgeld, notwendigerweise mit Risiken – ob Aktien-, Kredit- oder sonstige Risiken – einhergehen. Lassen Sie sich hier bitte auch von niemandem etwas anderes erzählen!

Frage: Ist es sinnvoll, wenn man bisher ca. 50.000 € in Sparkassenbriefen und niedrigverzinslichen (max. 2,5 %) Investmentfonds angelegt hat, diese ganz oder zu einem Teil jetzt in ETFs (z.B. Deka Dax Units) umzuschichten? Wenn ja, zu welchem Teil? Das Geld wird nicht gebraucht, soll nur Zins abwerfen.

Antwort: Das hängt stark davon ab, wie viel Risiko Sie tragen können und wollen. Wenn Sie das Geld nicht brauchen, spricht dies für einen höheren Aktienanteil. Ich würde mir jedoch eines überlegen: Wollen Sie Ihr Geld nicht breiter streuen als nur über die 30 DAX-Aktien? Sondern vielleicht über möglichst die ganze Welt? So nehmen Sie de facto Risiko aus der Anlage. Das heißt, Sie können einen höheren Anteil in Aktien anlegen und können im Mittel auch eine höhere Rendite erwarten – bei gleichem Gesamtrisiko. Diese Antwort würde ich Ihnen übrigens zu jedem Zeitpunkt geben. Da wir keine Hellseher sind, gibt es weder einen richtigen noch einen falschen Zeitpunkt zum Einstieg.

Frage: Was halten Sie von dynamischer Asset Allocation? Verkaufen nach längeren Aufwärtstrends? Kaufen nach längeren Abwärtstrends? Was ist historisch erfolgreicher? Wie beurteilen Sie Strategien mit integrierter Risikosteuerung (Absicherung von Equity-Exposure durch Derivate zur Vermeidung von Extremrisiken).

Antwort: Es kann durchaus sein, dass es immer wieder einzelne regelbasierte Strategien gibt, die ein langfristig gehaltenes, breit gestreutes Portfolio schlagen. Nach Abzug der Handelskosten sind die Vorteile jedoch meist überschaubar und fallen für den typischen Anleger kaum ins Gewicht. Aber es gibt sehr viele solcher Strategien, und die meisten funktionieren dann doch nicht. Es besteht hier also das zusätzliche Risiko, aufs falsche Pferd zu setzen. Fragen Sie sich bitte zudem, warum der Anbieter die als sicher angepriesenen Vorteile mit Ihnen teilen sollte.

Frage: Meine Eltern sind die typischen Sparbuch/Festgeldsparer ärgern sich aber über die niedrigen Zinsen. Da mein Vater zur Internetboomzeit leider schlechte Erfahrung mit damals empfohlenen Fonds gemacht hat sträubt er sich völlig. Wie kann ich sie wieder davon überzeugen ein bisschen in Aktien und Anleihen zu investieren?

Antwort: Falls Aktien für Ihre Eltern überhaupt noch geboten erscheinen, ist das zentrale Argument für Aktien, dass sie ein recht effektiver Inflationsschutz sind und Risikoprämien versprechen. Wenn Erbschaft eine Rolle spielt, haben Sie als Familie zudem einen sehr langen Anlagehorizont. Vielleicht helfen ja auch die Videos ein wenig 🙂

Frage: Was halten Sie von Gold- und Silbermünzen und wo kauft man sie, bzw. wie und wo verkauft man sie wieder?

Antwort: Gold ist als langfristige Geldanlage nicht geeignet, da es hoch riskant ist und im Mittel keine Rendite erwarten lässt. Diese Nachteile werden meines Ermessens auch nicht dadurch aufgewogen, dass Gold bei Hyperinflation seinen Wert behält.

Frage: Sie sagten, dass es der Privatanleger nicht versuchen sollte den optimalen Zeitpunkt zu finden. Denken Sie jedoch, dass eine Investition (in Bluechips oder ETFs) trotz Allzeithoch beim Dax noch lohnenswert wäre?

Antwort: Sie können jeden Wissenschaftler fragen und werden immer wieder die gleiche Antwort bekommen: Die erwartete Rendite auf den Dax ist heute so hoch, wie die Erwartung vor einem Jahr auch war. Sie ist immer gleich.

Frage: Sehr geehrter Herr Professor, gilt noch die alte Faustregel von H. Kostolany, Aktien zu erwerben und nach 5 Jahren einmal zu schauen, wie sie sich entwickelt haben bzw. wie häufig sollte man sein Aktiendepot eigentlich überprüfen?

Antwort: Die Aktienquote bestimmt langfristig Risiko und Risikoprämie. Diese verschiebt sich natürlich, wenn sich die Märkte bewegen. Wenn Sie dann weit von Ihrer Zielquote entfernt liegen, wäre es an der Zeit, umzuschichten. Es scheint mir aber nicht sinnvoll, das mehr als einmal im Jahr zu tun, das kostet ja auch immer Gebühren. Wenn Sie die Aktienquote berechnen, beachten Sie auch: Tagesgeld, Versicherungen etc gehören zu den sicheren Geldanlagen. Ihr Aktienanteil ist häufig kleiner, als Sie vielleicht gedacht haben.

Frage: Sehr geehrter Prof. Hackethal, wie lege ich mein Geld als junger Kleinanleger in meinem Depot mit einem Anlagehorizont von erst einmal 7-10 Jahren bei monatlicher Sparrate und 2-5 monatlichen Freikäufen an? Aktienfonds? Indexfonds? Schwerpunkte oder breite Streuung? Wie viele Fonds und müssen alle monatlich bespart werden, um mir einen Cost-Average-Effekt zu sichern? Diverse Finanzzeitschriften empfehlen Beispielsdepots mit 10-15 Fonds. Ist diese Anzahl für einen Kleinanleger nicht zu groß?

Antwort: Ich verweise auf die zwei wichtigsten Grundregeln beim Geldanlegen: maximale Streuung bei möglichst geringen Kosten. Indexfonds bzw. ETFs bieten sich hier in der Tat an. Den Cost-Average Effekt würde ich in seiner Wirkung nicht überschätzen. Wenn es Kosten spart, handeln Sie lieber seltener. 10-15 Fonds erscheinen mir bei einem Sparplan für Kleinanleger zu viel. 3-5 Fonds sollten es tun. Im Zweifelsfall reicht für die Aktienseite auch ein einziger ETF auf den MSCI-Welt. Dann sparen Sie sie sich auch das Umschichten, falls sich bestimmte Regionen besonders gut entwickeln sollten. Achten Sie hier bitte auf die Management-Gebühren und die Geld-Brief Spanne. Die variieren teilweise stark.

Frage: Lohnt es sich auch bei Währungen zu diversifizieren? Gibt es hierzu wissenschaftliche Studien?

Antwort: Die Wissenschaft sagt: Theoretisch nein! Empirische Arbeiten lassen jedoch einen leicht positiven Effekt vermuten. Der scheint mir aber zu klein, um die ganze Anlagestrategie darauf aufzubauen.

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