Sich-selbst-Kontrollieren: Der Zusammenhang zwischen Selbstkontrolle und Wohlstand

Veröffentlicht am 13. Mai 2014
Von Spyros Palligkinis

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche wissenschaftliche Studien gezeigt, dass Selbstkontrolle ein zentraler Aspekt für die Untersuchung privaten Anlegerverhaltens ist. Bei einer ganzen Reihe solcher Studien wurde festgestellt, dass zwischen Selbstkontrolle auf der einen Seite und niedriger Sparquoten oder gar Überschuldung privater Haushalte auf der anderen Seite eine starke Verbindung besteht. Wir können nun nachweisen, dass sich Selbstkontrolle langfristig deutlich positiv auf die Vermögensbildung auswirkt.

Für unsere empirische Studie verwenden wir Daten aus einer repräsentativen Umfrage unter US-Haushalten, die seit 1992 mehrfach wiederholt wurde. Außerdem nutzen wir eine umfassende Definition von Selbstkontrolle des amerikanischen Psychologen Roy Baumeister. Laut Baumeister hängt Selbstkontrolle von drei grundlegenden Verhaltensmerkmalen ab, die auch als wesentliche Bestandteile von Selbstkontrolle bezeichnet werden können. Sie setzen sich zusammen aus der Fähigkeit, sich persönliche Ziele zu setzen, den Weg hin zur Zielerreichung nachzuhalten und Versuchungen zu widerstehen, die von diesem Weg abführen. Gemäß dieser Theorie trifft also eine starke Selbstkontrolle auf die Menschen zu, die sich langfristige Ziele setzen (z. B. 10 Kilo abnehmen), die die dafür nötigen Maßnahmen nicht aus den Augen verlieren (z. B. Gewicht und Kalorienaufnahme regelmäßig messen) und die Fähigkeit besitzen, ihren gesetzten Zielen treu zu bleiben (z. B. einer leckeren Mahlzeit widerstehen, die alle Bemühungen gefährden würde).

Auf Basis jener Definition können wir zeigen, dass Haushalte mit mehr Selbstkontrolle überproportional mehr Vermögen aufgebaut haben. Ein Ergebnis, das für finanzschwächere (also ärmere) sowie finanzstärkere (also reichere) Haushalte gleichermaßen gilt. Doch noch wichtiger ist, dass jeder einzelne Bestandteil der Selbstkontrolle, d. h. persönliche Zielsetzung, Überprüfung und Disziplin zum Ergebnis beiträgt. Fällt auch nur einer der drei Bestandteile aus droht das Scheitern der gesamten Selbstkontrolle.

Zwei Implikationen liegen also auf der Hand:
Erstens erfährt eine solide Finanzbildung noch mehr Bedeutung für den Vermögensaufbau. Finanzbildung ist nicht nur notwendig für die Formulierung realistischer Ziele, sondern auch, weil ein gut strukturierter Plan Anleger besser davor schützt, impulsiv zu handeln. Zweitens ergeben sich neue Perspektiven für Geschäftsmodelle, die darauf abzielen, Kunden in allen drei Dimensionen der Selbstkontrolle zu unterstützen.

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Die beiden Autoren Nina Biljanovska und Spyros Palligkinis gehören zum Nachwuchsbereich des House of Finance:

Nina Biljanovska

Nina Biljanovska

Nina Biljanovska ist momentan Doktorandin an der
Goethe-Universität-Frankfurt. Bereits während
ihres Bachelors of Business Administration an
der State University of New York und ihres
Masters in „Money and Finance“ in Frankfurt
beschäftigte sie sich intensiv mit Macroökonomie
und privatem Anlegerverhalten.

 

Spyros Palligkinis

Spyros Palligkinis

Spyros Palligkinis ist ebenfalls Doktorand am House of Finance. Nach seinem Abschluss in Angewandter Mathematik an der National Technical University of Athens und seinem Master in Finanzen an der Cass Business School in London zog es ihn an das SAFE Center of Excellence in Frankfurt. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im privaten Konsum- und Sparverhalten sowie in der allgemeinen Verhaltensökonomie.

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