Wenig Güte bei Siegeln

Veröffentlicht am 16. Oktober 2013
Von Andreas Hackethal

Schon im Mittelalter versiegelten Päpste, Kaiser, Könige und andere staatliche Souveräne wichtige Briefe und auch Urkunden mit farbigem – meist rotem – flüssigem Wachs und einem individuellen Siegelstempel. Somit stellten die Absender die Unversehrtheit dieser bedeutsamen Schriftstücke sicher. Heutzutage sind solch – nach wie vor meist roten – Siegel noch an vielen Glasfenstern oder Aufstellern von z. B. Banken zu sehen und stellen ein sogenanntes Gütesiegel für herausragende Leistung dar. In 2012 habe ich dem Bankmagazin ein Interview zum Thema Gütesiegel gegeben (sowie im September auch dem NDR) und habe deutlich gemacht, dass Gütesiegel mehr und mehr an Bedeutung verlieren, denn häufig ist nicht zu erkennen, wofür diese Urkunden überhaupt ausgestellt werden. Vielmehr kaufen Banken solche Siegel heutzutage von „nicht-staatlichen Souveränen“, mit dem Ziel, das eigene Image aufzupolieren. Ob sich der Kauf eines solch guten Zeugnisses für die Banken immer lohnt, bezweifeln jedoch nicht nur einige Marktforscher, sondern deutet sich auch in einer meiner Studien an. Mein Team und ich konnten feststellen, das Kunden Gütesiegeln nicht so viel Gewicht beimessen, dass sie sofort zur nächstbesten Bank wechseln würden. Zudem ist es auch wichtig die gute Noten von einer anerkannten Stelle zu bekommen. Dabei ist die Rede von anerkannten Marktforschungsinstituten bzw. wissenschaftlichen Instituten, denn „Wissenschaft signalisiert fundierte Analyse“ und ist somit vertrauenswürdig. Ebenso wichtig wie der Gütesiegel-Aussteller ist aber auch die „Auswahl der Messkriterien“. Ist die Aufbereitung der Webseite oder die telefonische Kundenbetreuung wirklich wichtig für die Einschätzung einer qualitativ hochwertigen Beratung? Wohl eher nicht. Vielmehr sollten die Messkriterien die fachmännische Beratung betreffen. Doch genau dort liegen die Messprobleme, denn es fehlen einheitliche und verständliche Bezeichnungen, ohne die leider keine Bewertung von Qualität möglich ist.

Link zur Quelle (Bankmagazin)

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